Wiener Bühnenverein
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„Unter Tieren“ von Elfriede Jelinek

Nominierung 2026 | Bestes Stück – Autor*innen Preis

Calle Fuhr | © Tommy Hetzel
Foto © Tommy Hetzel

Elfriede Jelinek für „Unter Tieren“, Uraufführung, Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Burgtheater

Elfriede Jelinek, Nobelpreisträgerin, Textakrobatin und literarische Ikone seziert in ihrem jüngsten Drama „Unter Tieren“ einmal mehr brillant das manifeste Versagen eines aus den Fugen geratenen Finanzkapitalismus. Korruption, Raffgier, phrasendreschende Wirtschaftsbosse und Politiker, geheuchelte Systemkritik und leere Worthülsen haben uns längst alle zu Tieren des Systems gemacht. Naheliegend der Kunstgriff der Autorin, dass sie Tiere zu Wort kommen lässt: Staunend räsonieren Fuchs und Hase, Schwein und Esel über die Menschen, ihren verantwortungslosen Turbokapitalismus und das Rätsel der Geldvermehrung. Mit wachsendem Sarkasmus folgen die Tiere den Spuren desGeldes: von Benko bis zur Bibel, von Sigi Wolf bis zum SV Mattersburg – Geld regiert die Welt. Schonungslos und pointiert zerlegt Jelinek in dieser textgewaltigen animalischen Wirtschaftskomödie die Untiefen unserer verlogenen und ausgehöhlten Gesellschaft. Und das mit einem unglaublichen Furor, wütend und ironisch in rasantem Tempo, lustvoll spielerisch, aber auch sehr böse und ohne jegliche Kompromisse mit der ganz typischen Jelinekschen Dynamik. Es sei ihr letztes Stück, verkündete die Vielschreiberin, angesichts der Weltenlage kann man nur hoffen, dass sie es sich noch einmal überlegt!
Susanna Schwarzer
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